Kein Frieden ohne Israel - Für Frieden und Demokratie im Nahen Osten |
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Beschluss der 2. ordentlichen Landeskonferenz der JungdemokratInnen / Junge Linke Berlin vom 23.02.2002 |
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Angesichts der stetig eskalierenden
Situation im Nahen Osten erscheinen die Hoffnungen auf eine Rückkehr zum
Friedensprozess zunehmend aussichtsloser: Täglich ist das Leben
israelischer Bürger von neuen Terroranschlägen radikaler islamistischer
Gruppierungen bedroht. Gleichzeitig wird die politische Macht der
Autonomiebehörde zunehmend destabilisiert und damit eine wirksame
Verfolgung von mutmaßlichen Terroristen in den Autonomiegebieten –
unabhängig von Yassir Arafats Bereitschaft zu dieser – immer
unwahrscheinlicher. Demgegenüber reagiert die israelische Regierung auf
jeden neuen Terroranschlag mit militärischen Mitteln und einer weiteren
Drohgebärde gegenüber der palästinenischen Autonomiebehörde, die
ihrerseits die Attentäter nicht stoppt, sondern vielmehr in den eigenen
Reihen duldet. Die jüngsten Entwicklungen machen deutlich, dass die von
Ariel Sharon betriebene, auf militärische Lösung des Konflikts
ausgerichtete Strategie nicht von Erfolg gekrönt ist. Die gezielten
Liquidationen mutmaßlicher Terroristen auf palästinensischem
Autonomiegebiet, die jeder rechtlichen Grundlage entbehren, die
kollektivstraflichen Militärschläge oder gezielten Zerstörungen
palästinensischer Infrastruktur oder Lebensgrundlagen nach jedem erneuten
Attentat haben die Terroranschläge nicht stoppen können, sondern zu einer
weiteren Radikalisierung der palästinensischen Bevölkerung geführt, indem
sie zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensverhältnisse der
Palästinenser beitrugen. Mit militärischen und rhetorischen Gebärden droht
die israelische Regierung zur Herstellung der Sicherheit der israelischen
Bevölkerung notfalls die Autonomiebehörde zu entmachten und die
Autonomiegebiete erneut zu besetzen – angesichts der aktuellen
Ausweglosigkeit der Situation ist Sharon damit bemüht, durch den so
demonstrierten Willen zu einem bedingungslosen Kampf gegen den Terror
innenpolitisch Stärke zu behaupten und den Palästinensern damit als Ultima
Ratio zu drohen. Nichtsdestotrotz erweist es sich als Trugschluss, sich entweder dem „palästinensischen Befreiungskampf“ oder aber der Sicherheitspolitik Sharons uneingeschränkt solidarisch zu verschreiben, da deren Konzeption der Konfliktlösungsstrategie gerade die Basis der beschriebenen Eskalation ist. Grundlage der Entwicklung einer jungdemokratischen Position zum Nahostkonflikt muss daher eine integrale Forderung nach Demokratie und Gewährleistung der Menschenrechte und der Sicherheit der Bevölkerung im Nahen Osten sein. Hierbei ist es allerdings aufgrund der historischen Bedeutung des Staates Israel als Zufluchtsort jüdischer Menschen und des anhaltenden, weltweiten Antisemitismus geboten, sich in besonderer Weise dem Existenzrecht des Staates Israel und der Garantie der Sicherheit der in ihm lebenden Bevölkerung zu verpflichten, die gerade im Moment in besonderer Weise bedroht ist. Erste
Voraussetzung zur Garantie der Sicherheit der Bevölkerung Israels und der
Existenz Israels ist die Schaffung eines dauerhaften
Friedens. Einen solchen aber wird es nur geben können, wenn er
durch die Anerkennung der Interessen der anderen Seite und aus daraus
abzuleitenden Kompromissen zustande kommt. Hierzu ist die Aushandlung
eines Kompromisses über das Rückkehrrecht der Flüchtlinge ein gutes
Beispiel: Zwar ist es unbestreitbar, dass die 1948 aus ihren Dörfern zum
Teil vertriebenen und geflohenen Palästinenser durch diese Vertreibung
ihren Grund und Boden verloren haben. Fraglich ist jedoch, ob dies
notwendig durch eine faktische Rückkehr in das Kernland von Israel
ausgeglichen werden muss oder ob nicht auch eine materielle Entschädigung
ausreichen könnte. Die Tatsache, dass die palästinensischen Flüchtlinge in
den arabischen Staaten jahrelang in entrechteten und menschenunwürdigen
Lebensverhältnissen lebten und gezielt Maßnahmen zur Verbesserung
unterblieben liegt nicht in israelischer Verantwortung und macht das den
Flüchtlingen durch Israel widerfahrene Unrecht noch nicht ungeschehen.
Nichtsdestotrotz sind die Ängste Israels vor einer Umkehrung der
demografischen Verhältnisse verständlich. Ein Kompromiss scheint hier nur
möglich durch eine Anerkennung sowohl des Unrechts der Vertreibung der
Flüchtlinge durch Israel, wie dies im übrigen schon von einigen Gerichten
Israels geschehen ist, als auch der Anerkennung der Unmöglichkeit der
Gewährleistung und innenpolitischen Durchsetzbarkeit eines faktischen
Rückkehrrechts nach Israel durch die Palästinenser. Zugleich muss ein
solcher Kompromiss aber auch begleitet werden von Forderungen nach der
längst schon ausstehenden Einbürgerung der staatenlosen Flüchtlinge bspw.
im Libanon, die diesen den Aufbau einer neuen Existenz ermöglichen würde.
Resultierend aus der Forderung nach offenen Grenzen und Bleiberecht für
alle in Deutschland setzen sich JungdemokratINNen/Junge Linke dafür ein,
dass staatenlose PalästinenserInnen die deutsche Staatsbürgerschaft oder
wenigstens Asyl in der Bundesrepublik erhalten. Daher schließen sich JungdemokratInnen/Junge Linke jenen Kräften solidarisch an, die sich für die Umsetzung dieser Ziele einsetzen und werben gemeinsam mit ihnen für Frieden und Demokratie im Nahen Osten. JD/JL unterstützen all jene gesellschaftlichen Kräfte in Israel und Palästina, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen und für eine gewaltfreie Lösung des Konfliktes und für das Existenzrecht Israels eintreten. JD/JL solidarisieren sich mit den Forderungen der demokratischen israelischen und palästinensischen Linken nach einer gewaltfreien Lösung des Konflikts und einer Demokratisierung beider Gesellschaften. Antisemitismus in der Linken und in Deutschland Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada schwelt die Auseinandersetzung über die Möglichkeiten der deutschen Linken, sich zu diesem Konflikt zu äußern: Tatsächlich muss man sich bei der Beurteilung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern im Nahen Osten des diskurspolitischen Kontexts in Deutschland, insbesondere des Nationalsozialismus, der von der überwältigenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung getragen wurde, bewusst sein. Daher ist es erforderlich, sich von antisemitischen Positionen, die auch von Teilen der Linken geäußert werden, abzugrenzen und konsequent für die Anerkennung des Existenzrechts des Staates Israel als notwendiger Zufluchtsort der immer noch vom weltweiten Antisemitismus bedrohten jüdischen Menschen einzutreten. Denn seit der Gründung des Staates Israel gibt es innerhalb der Linken die Tendenz, sich unkritisch mit der palästinensischen Befreiungsbewegung per se als Flaggschiff eines Kampfs gegen den weltweiten, und von Israel angeblich verkörperten Kapitalismus und US-Imperialismus zu identifizieren. Eine solche Position verkennt die Bedeutung, die der Staat Israel im oben genannten Sinne hat und operiert darüber hinaus mit antisemitischen Stereotypen. Nichtsdestotrotz aber erscheint es gerade angesichts der Existenz solcher Positionen von großer Bedeutung, für eine Position zu werben, die die Garantie der Menschenrechte und der Demokratie im Nahen Osten als einzig mögliche Garantie der Existenz des Staates Israel und der Sicherheit seiner Bürger ermöglicht. Antisemitische Tendenzen werden sich nicht zurückdrängen lassen durch die uneingeschränkte Solidarität mit der je gegenwärtigen Sicherheitspolitik der israelischen Regierung, sondern nur durch die Entlarvung von Argumentationsstrukturen als antisemitisch. Gerade weil auch ausgewiesene Antisemiten in der NPD sich hinter die Forderungen der israelischen Friedensbewegung stellen, um ihre antiisraelischen und antisemitischen Positionen mit israelischem Leumund zu bekräftigen, ist es dringlich, dieser Instrumentalisierung der israelischen Friedensbewegung entgegenzutreten. Denn die Forderung nach Zurückdrängung antisemitischer Tendenzen darf nicht darin münden, die Verletzung von Menschenrechten der Palästinenser und die friedenspolitisch notwendigen Forderungen zur dauerhaften Garantie der Existenz Israels öffentlich zu bestreiten oder nicht mehr zu äußern und damit aufgrund diskurspolitischer Notwendigkeiten dem eigentlichen Ziel unserer Politik, der Demokratisierung und dem Frieden im Nahen Osten im Wege zu stehen. JungdemokratInnen/Junge Linke stellen sich
antisemitischen Tendenzen in Deutschland entgegen und lehnen die
Instrumentalisierung friedenspolitisch motivierter Kritik an Israel zur
Untermauerung einer grundsätzlich antiisraelischen Einstellung
ab. |
Seite erstellt am: 24.01.99 | last modified: |
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