Bundeswehr raus aus der Schule!
 

       

Tipps und Tricks – Was kann man tun?

Bundeswehr raus aus der Schule!

Broschüre gegen Totschlag-argumente

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Es gibt die verschiedensten Aktionsformen und Ideen, wie man auf die Militarisierung der Schule auf­merksam machen kann. Welche angemessen Aufsehen erregend, provokativ und doch auch effektiv sind, in dem Sinne, dass man der Bundeswehr gegenüber kritische Leute damit anspricht und auch andere zum Nachdenken bringt, hängt vom konkreten Fall ab. Es gilt stets abzuwägen, was mit einer Aktion bezweckt werden soll. Je nachdem, wie groß zum Beispiel eure Gruppe ist, machen manche Aktionen vielleicht mehr Sinn als andere. An dieser Stelle liefern wir deshalb nur einige Anregungen, die natürlich auch mit­einander kombiniert und abgewandelt werden können.


AG Antimilitarismus

Wenn sich genügend interessierte AntimilitaristInnen bei euch anfinden, ist es bestimmt keine schlechte Idee, an eurer Schule eine antimilitaristische AG zu gründen. Die sollte dazu dienen, euch selbst, aber vor allem auch andere zur Bundeswehr, der Militarisierung der deutschen Außenpolitik und akuten Pro­blemen, wie z. B. dem Besuch eines Jugendoffiziers an eurer Schule, zu informie­ren und eure Arbeit öf­fentlich zu machen, z. B. mittels Aushängen in der Schule und eben Ak­tionen.


Gedankenaustausch

Schaut euch um! Es gibt überall Möglichkeiten Gleichgesinnte zu treffen. Antimilitari­stische Konzerte und Veranstaltungen (z. B. Podiumsdiskussionen), Friedensdemos und spontane Aktionen bieten gute Gelegenheiten, Leute kennen zu lernen, die einen vielleicht unterstützen oder informativ weiterbringen. Schafft euch notfalls diese Gelegenheiten selbst, indem ihr Diskussionsveranstaltungen, antimilitaristische Filmabende oder auch ‘politische’ Partys orga­nisiert.


Antimilitaristischer Filmabend

So ein gemütlicher Filmabend mit sinnvoll ausgewählten Antikriegs-Filmen ist eine gute Gelegenheit, sich zum Gedankenaustausch zu treffen. Zudem bietet er die Vorteile, dass er relativ leicht zu organisieren ist und man viele Leute erreicht, da so ein Filmabend nicht so offensichtlich politisch wirkt.


Verweigerung von militaristischen Unterrichtsinhalten

Lasst euch nicht zwingen, an einem Kasernenbesuch teilzunehmen oder euch von einem Offizier der Bundeswehr staatsbürgerkundlich oder gar noch „friedenspolitisch“ belehren zu lassen! Boykottiert die entsprechenden Veranstaltungen, da eure Verweigerung eine deutliche Sprache spricht und auch Aufse­hen erregt. Gewinnt so viele Leute wie möglich für diese Aktionen. Dann haben sie eine größere Aussa­gekraft und Repressionen sind schwerer durchzusetzen, denn man kann sich ja gemeinsam gegen Ärger zur Wehr setzen.


Plakatier- & Sprühaktionen

Hierbei ist immer zu bedenken, ob sich der Aufwand lohnt; wie viele Leute ihr damit erreicht. Aber vielleicht gibt es ja Flächen in eurer Nähe, z. B. auch diese vollkommen überflüssigen Pla­katwände, die sich zumindest zu besonderen Gelegenheiten wie Jugendoffiziersbesuchen auf­fällig dekorieren lassen. So könnt ihr wenigstens für eine Zeit deutlich auf bestimmte Dinge hinweisen. Wenn es wirklich wichtig ist, lässt sich so eine Plakatwand auch mieten... Wir wollen euch zwar nicht dazu aufrufen, euer Schulgebäude durch Sprayen zu verschönern, aber es gibt ja viele Möglichkeiten, Protest zu äußern...


SchülerInnenzeitungen

Wenn eure Schule eine Zeitung hat oder eine Art Schulfunk, dann nutzt diese doch! Viele MitschülerInnen von euch müssen wahrscheinlich erst einmal erreicht werden, sehen, dass es noch an­dere gibt, die ähn­lich denken wie sie. In einem Artikel kann man ganz in Ruhe darlegen, warum man keine Jugendoffi­ziersbesuche an seiner Schule wünscht oder warum man gerade eine be­stimmte Veranstaltung boykot­tiert.


Flugblattaktionen

Flugis gehören natürlich zum Standardrepertoire. Wenn Probleme mit der Schulleitung ver­hindern, dass ihr Flugis in der Schule verteilen dürft, verteilt einfach außerhalb des Schulgeländes. Einen Vorschlag für ein Flugblatt findet ihr in dieser Broschüre auf Seite 57.


Autorenlesung

Um auch unter eurer Lehrerschaft Unterstützung zu finden, bietet sich vielleicht eine AutorInnenlesung an, selbstverständlich mit anschließender Diskussion und/oder Flugi verteilen. Informiert euch bei Verlagen oder im Internet, welche friedensbewegten SchriftstellerInnen sich da anbieten. Viele sind gerne bereit, an Schulen zu kommen, wenn der Rahmen angemessen ist und garan­tiert ist, dass ihr genügend Leute mobilisiert. Wenn das nicht klappt, spricht auch nichts dagegen, mal selbst vorzulesen, entweder eigene Werke oder eben bekanntere.


KDV-Beratungen

Für die unentschlossenen Leute in eurem Umfeld: Weist öffentlich auf Kriegsdienstverweigerungs-Be­ratungen hin, z. B. von der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär. Oder ruft uns an: Wir kommen spontan vorbei und machen KDV-Beratungen! Veröffentlicht Verweigerungstexte, sorgt dafür, dass niemand zur Armee geht, nur weil er nicht genau wusste, wie man das verhindern kann!


Schulbuchanalyse

In vielen Lehrbüchern (vor allem in Fächern wie Geschichte oder Politischer Weltkunde) verbergen sich militaristische Inhalte oder eine sehr un­kritische Behandlung von militärischen Konflik­ten. Das kann man im Unterricht thematisieren, so vielleicht sogar eine Diskussion hervorrufen. Frage­stellungen hierbei sind: Wie werden Kriege dargestellt und wieviel Platz wird ihnen im Schulbuch eingeräumt? Was sind ihre Ursachen und Auswirkungen? Werden Alternativen aufgezeigt?


Protestbriefe

In bestimmten Fällen kann es ganz sinnvoll sein, wenn sich ein paar von euch zusammentun und kritische Leserbriefe zu unkritischen Artikeln verfassen. Die Chancen sind ganz gut, dass ihr damit Leute erreicht – besonders, wenn nicht nur einer schreibt, sondern viele...


LSVen

Engagiert euch in den LandesschülerInnenvertretungen, denn diese bieten Vernetzungsmöglichkeiten, ein Sprachrohr und auch Anregungen.


POL&IS

Falls ihr das Vergnügen habt an POL&IS teilzunehmen, könnt ihr den Jugendoffizier effektvoll in den Wahnsinn treiben, indem ihr partout einen dritten Weltkrieg anzetteln wollt. Unter Umständen ist es lehrreicher einfach mitzuspielen. Versucht dabei jedoch an die Grenzen des Spiels zu kommen. Wieso bitte soll ein totaler Schuldenerlass für die Dritte-Welt-Länder denn nicht möglich sein! Wenn ihr schon Weltpolitiker spielen dürft, versucht neue Wege zu gehen und akzeptiert nicht einfach die Spielregeln! Regeln kann man ändern! Wenn ihr es schafft in einem Planspiel die Welt zu verändern, warum sollte es dann in der Realität unmöglich sein?


Wenn der Jugendoffizier kommt...

Im Vorfeld solltet ihr natürlich alles dafür tun, den Besuch eines Jugendoffiziers zu verhindern: Thematisiert die Einladung durch den Lehrer oder die Schulleitung, tretet eine Diskussion in der Klasse los, mit dem Ziel, eure MitschülerInnen dazu zu bringen, gemeinschaftlich gegen die Einladung Stellung zu beziehen... Wenn der Jugendoffizier aber doch eingeladen wird, gibt es eine ganze Reihe weiterer Aktionsmöglich­keiten:

  • Fordert, dass auch Kriegsdienstverweigerer zu Wort kommen. Wir stellen gerne ReferentInnen für eine ausgeglichene Diskussion mit einem Jugendoffizier (kostenlos) zur Ver­fügung. Auf keinen Fall solltet ihr dem Militär gestatten, sich werbewirksam in eurer Schule vorzustellen, ohne dass jemand von der Gegenseite, sprich: ein friedensbewegter Mensch, zu Wort kommt!
  • Bereitet euch gründlich auf die Diskussion mit dem Jugendoffizier vor (die Lektüre dieser Bro­schüre stellt da schon mal eine gute Ausgangsbasis dar), denn ihr könnt darauf wetten, dass der Ju­gendoffizier bestens vorbereitet ist.
  • Achtet darauf, dass der Jugendoffizier nicht den Ablauf und Charakter der Stunde bestimmt. Wenn eine Diskussion oder ein Videobeitrag geplant ist, sollte er das nicht willkürlich verschieben oder ausfallen lassen dürfen.
  • Eine Mahnwache oder öffentlicher Protest auf dem Schulhof kann dem Jugendoffizier schon ein­mal gleich zu Beginn seines Besuchs klarmachen, dass er hier nicht von allen erwünscht ist. Slogans wie „Aufrüstung im Klassenraum – nein danke!“, „Hier findet Wehrkunde durch einen Jugendoffizier statt“, „Militär raus aus der Schule“ usw. auf Transparenten oder Tafeln machen sich recht gut.
  • Go-in: ihr gewinnt SchülerInnen anderer Klassen (die vielleicht eine Freistunde haben) dafür, euch zu besuchen, wenn der Jugendoffizier in der Klasse ist, um ihn massenhaft mit eurem Protest zu kon­frontieren. Alternativ dazu könnt ihr auch ein Go-Out veranstalten und möglichst geschlossen eure Klasse demonstrativ verlassen. Am effektivsten lässt sich eure Forderung dadurch unterstreichen, dass ihr nicht ein­fach blau macht, sondern einen alternativen Unterricht ohne Jugendoffizier (mit oder ohne Lehrer) organisiert.
  • Empfangt den Jugendoffizier in „angemessener“ Verkleidung und/oder Bemalung. T-Shirts zum Beispiel sind nicht teuer und lassen sich phantasievoll gestalten.
  • Nehmt den Jugendoffizier auf Video auf. So könnt ihr im Nachhinein, ohne seiner antrainierten Rhetorik zu erliegen, in aller Ruhe auswerten, was er zu sagen hatte. Davon könnt ihr auch gerne eine Kopie an uns senden, denn wir sind natürlich auch weiterhin darauf aus, uns mit der Argumen­tation und dem Auftreten der Jugendoffiziere zu beschäftigen, um vielleicht in einer Neuauflage die­ser Broschüre effektivere Tipps und Tricks geben zu können.

Politik ist nicht nur trocken und langweilig. Mit der richtigen Portion Humor und Kreativität plus einem unerlässlichen Anteil an Wissen macht sie wirklich Spaß!

Wir wären euch dankbar, wenn ihr uns kritische Erfahrungsberichte und vielleicht auch Ideen von euch zukommen lasst. Denn es ist sinnvoll, seine Kräfte zu kom­binieren und zu koordinieren.

 




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