Bundeswehr raus aus der Schule!
 

       

Schule und Bundeswehr – Erziehung zum Krieg?

Bundeswehr raus aus der Schule!

Broschüre gegen Totschlag-argumente

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Aufgabe und Zweck von Militärapparaten, so auch der Bundeswehr, ist Vorbereitung, Bereitschaft und Durchführung von Krieg. Um diesen Zweck eingebunden in eine demokratische Gesellschaft verwirklichen zu können, bzw. nicht allzu große Widerstände gegen das Militär als Mittel von Interessenpolitik und Machtsicherung aufkommen zu lassen, gibt es für die Bundeswehr eine zentrale strategische Aufgabe: Die Arbeit an ihrem Bild in der Öffentlichkeit. Ziel ist die intellektuelle Vernebelung des eigentlichen militärischen Zweckes und die Verankerung legitimatorischer Argumentationen, Menschen- und Weltbilder.

Für die Bundeswehr arbeiten ca. 1000 Jugendoffiziere und Jugendunteroffiziere täglich daran, die offizielle Sicherheitspolitik und Militärstrategie an Deutschlands Schulen zu propagieren und dort für deren Zustimmung zu werben.
Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Bundeswehr beginnt dabei auf der höchsten Ebene: zwischen Verteidigungsministerium und Kultusministerkonferenz. Kurz nachdem die ersten Stellen für Jugendoffiziere eingerichtet worden waren – 1959 – beschloss die Kultusministerkonferenz: Jugendoffiziere dürfen in Schulen. Damit haben die Kultusminister dem Militär die Schultüren geöffnet.
Seither werden im Informations- und Pressestab des Verteidigungsministeriums die Einsätze der Jugendoffiziere in Schulen ebenso geplant wie die wehrpolitischen Seminare für LehrerInnen und die Zusammenarbeit mit den Bildungsbehörden.
Die Aufgaben der Jugendoffiziere sind dabei klar definiert: Die SchülerInnen sollen Bundeswehr und Wehrpflicht akzeptieren und befürworten. „Aufgabe der Jugendoffiziere ist es, einen Beitrag zur Erhaltung und Festigung des Grundkonsens über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik Deutschlands zu leisten (...)“ (Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): Jugendoffizier (Informationsbroschüre) 2000). Sie sind demnach nicht wertneutral und überparteilich, wie sie gerne erscheinen möchten. Ihr Ziel ist nicht, die Kritik- und Urteilsfähigkeit der Öffentlichkeit zu stärken, sondern die Sicherheitspolitik der BRD als richtig, notwendig und unterstützenswert darzustellen.

Ganz neu ist dieses Prinzip nicht: Wehrsportübungen und Wehrkunde waren im Nationalsozialismus fester Bestandteil der schulischen Ausbildung. Grenzte man sich während des Kalten Krieges zumindest rhetorisch in der BRD noch von der vormilitärischen Erziehung in der DDR und in den östlichen Nachbarstaaten ab, konnte nach der Wende die Bundeswehr wieder zum Generalangriff auf die Schulen blasen. Schon in den 70er Jahren formulierte das baden-württembergische Kultusministerium das militärische Erziehungsziel: Die Pflicht der Schule sei es, „die Aufgaben der Bundeswehr so verständlich zu machen, dass sie vom Schüler als notwendig anerkannt werden können.“
In diesem Auftrag erreichten die Jugendoffiziere im Jahr 2000 durch ca. 170 Podiumsdiskussionen, 1360 Seminare, 4.500 Truppenbesuche und 5.500 Vorträge über. 300.000 Menschen, davon 220.000 Jugendliche, was seit 1992 eine Steigerung um etwa 50% bedeutet. In jüngster Zeit treten Jugendoffiziere auch verstärkt an Universitäten auf. Sie erhalten Lehraufträge und führen Seminare mit Scheinerwerb durch. Im Jahresbericht 2001 werden diese als dem „Ansehen der Bundeswehr besonders förderlich“. (Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2001, S.7) beschrieben.

Für diese umfangreiche Aufgabe werden Jugendoffiziere in Strausberg an der Bundeswehrakademie für Information und Kommunikation, welche in direkter Tradition des Amtes für Psychologische Kriegsführung der frühen Bundesrepublik steht, rhetorisch und psychologisch geschult und lernen, den Dienst an der Waffe durch Schönsprechformulierungen wie „Friedensdienst“, „humanitäre Aufgaben“ oder „Bürger in Uniform“ anzupreisen. Hier wird auch am eigenen Sozialwissenschaftlichen Institut die Öffentlichkeitsstrategie der Bundeswehr und das Auftreten der Jugendoffiziere von Wissenschaftlern empirisch-wissenschaftlich vorbereit, begleitet und überprüft.

So wurde festgestellt, dass der persönliche Dialog besonders authentisch und daher glaubwürdig wirkt. Darauf setzt die Bundeswehr. „Der hohe Authentizitätsgehalt des Jugendoffiziers durch seinen persönlichen Auftritt, ist jedoch nicht zu ersetzen. Nur so können glaubhaft Informationen vermittelt werden.“ (Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2000, S. 6) „Wenn durch den Jugendoffizier das Themenfeld Bundeswehr und Sicherheitspolitik anschaulich dargeboten wird, lässt sich Betroffenheit herstellen.“ (Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2000, S. 5)
Daher wird statt kritischem Gespräch immer mehr auf den „emotionalen Zugang“ durch Erlebnisformen gesetzt. Persönliche Kontakte mit „einfachen Soldaten“ und die „Faszination Technik“ werden als erfolgreiche Strategien angesehen, um SchülerInnen zu manipulieren. So sollen z.B. durch Kasernenbesuche Militär und Disziplin zu etwas Normalem werden und in der Assoziation mit Klassenausflügen emotional positiv besetzt werden.
Die Militarisierung des öffentlichen Raumes durch das Auftreten uniformierter und teilweise (zu Anschauungszwecken) bewaffneter Soldaten an Schulen soll Militär und Krieg als etwas Alltägliches erscheinen lassen, ähnlich wie die öffentlichen Gelöbniszeremonien der Bundeswehr die daher meist von heftigen Protesten begleitet werden.

Aber nicht immer ist der Einfluss der Armee auf die Gestaltung des Unterrichts so offensichtlich. Jugendoffiziere beteiligen sich auch an der Erstellung von Unterrichtsmaterialien, die entweder in die normalen Schulbücher einfließen oder als aktuelle Informationen zur Sicherheitspolitik als Bundeswehrmaterialien erkennbar sind. Die notorischen Finanzprobleme der bundesdeutschen Schulen tun ihr Übriges, dass die Broschüren und Filme der Bundeswehr in den Unterricht einfließen. LehrerInnen und DirektorInnen können an kostenlosen Fortbildungskursen zum Thema Sicherheitspolitik teilnehmen, in denen ihnen von Offizieren nicht nur die Aufgaben der Bundeswehr, sondern nebenbei auch noch die Sinnhaftigkeit der Besuche von Jugendoffizieren in Schulklassen vermittelt werden. Und natürlich sind Jugendoffiziere auch zur Stelle, wenn die neuen Rahmenpläne im Schulsenat oder den Kultusministerien erarbeitet werden.

Das Auftreten von Jugendoffizieren ist jedoch nicht mit den demokratischen und emanzipatorischen Bil­dungsidealen einer Schule vereinbar, die alle relevanten gesellschaftlichen Positionen in gleicher Weise einbeziehen soll. Denn der Jugendoffizier, der die Kriegsdienstverweigerung nur am Rande erwähnt, kann und will das nicht leisten. Im Gegenteil: Im Jahresbericht der Jugendoffiziere von 1997 wird die Einrichtung von KDV-Beratungen in vielen Kirchengemeinden scharf kritisiert.

Im Jahresbericht 2000 der Jugendoffiziere beklagen diese zurecht, dass die Unterrichtsversorgung an deutschen Schulen im Bereich der Sozialkunde (wie im übrigen auch in vielen anderen Bereichen) teilweise desolat ist. Dies darf allerdings nicht dazu führen, dass anstelle von LehrerInnen nun SoldatInnen für die Vermittlung politischer Grundverständnisse (vgl. Jahresbericht der Jugendoffiziere der Bundeswehr 2000, S. 6) verantwortlich zeichnen. Dies aber ist der Anspruch der Jugendoffiziere, die sich selbst als wichtige Träger der politischen Bildung bezeichnen. Die Argumentation, man wolle Lücken in der Unterrichtsversorgung mit den Ressourcen des Militärapparates kompensieren ist ebenso absurd, wie als vorgeschoben zu entlarven.
Eine ausreichendes Unter­richtsangebot ist daher durch die Erhöhung des Bildungs- nicht des Verteidigungsetats zu gewährleisten. Denn politische Bildung an unseren Schulen sollte grundsätzlich durch neutrale Lehrkräfte erfolgen. Zivilgesellschaftliche Zielstellungen, dass poli­tische Konflikte auch nur mit zivilen, politischen und nichtmilitärischen Mitteln gelöst werden können, können natürlich nicht von Militärpersonen glaubwürdig vermittelt werden.
Die Forderung nach einer Demokratisierung der Schulen und kritischen Lehrinhalten muss immer auch die Forderung nach deren Entmilitarisierung beinhalten. Denn Militär kann nicht demokratisch sein und Soldaten können gar nicht so schnell ihre Kritik aussprechen, wie diese disziplinar geahndet wird. Eine emanzipatorische Schule jedoch sollte zu kritischem Denken anregen und nicht Ort propagandistischen Trommelfeuers der Militärs sein. SchülerInnen sollen sich ihrer eigenen Interessen bewusst sein und nicht vermeintlich übergeordneten Anliegen oder einem imaginären Allgemeinwohl blind folgen.
Darum hat die Bundeswehr in der Schule nichts zu suchen.
Darum sollte deren direkter und indirekter Einfluss auf Schule, Bildung und Hochschulen boykottiert und bekämpft werden.
Darum sollten SchülerInnen und deren Vertretungen jegliche Zusammenarbeit mit Jugendoffizieren der Bundeswehr kategorisch ablehnen und sich stattdessen für die verstärkte Thematisierung friedenspolitischer Konfliktbewältigung einsetzen. Falls es nicht möglich ist den Auftritt eines Jugendoffizieren an der Schulen zu verhindern, so sollte doch zumindest für einen antimilitaristischen, kritischen Diskussionspartner gesorgt sein.

Darum müssen die Kultusministerien der Länder und die Kultusministerkonferenz die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr endlich beenden.

 




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