2:Neues von der Braunen Armee Fraktion |
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Unglaublich, aber wahr: es gibt sie tatsächlich, die demokratische Armee.
Bundeskriegsminister Rühe schleudert es einem tagtäglich um die Ohren: in seiner
Wehrsportgruppe wird ganz demokratisch das Prinzip von Befehl und Gehorsam eingeübt. |
Mit 18 wurde ich erfaßt. Nun sollte ich sie also bekommen, meine 10-monatige
Sonderbehandlung, um gewalttätige, patriarchale und autoritäre Prinzipien in
konzentrierter Dosis zu erhalten. Da hatte ich fast 13 Jahre Bevormundung in der Schule
hinter mir und sollte jetzt fast ein ganzes Jahr nicht mehr nur sechs Stunden, sondern den
ganzen Tag lang in einer Männerhorde Dinge tun, die ich überhaupt nicht machen möchte.
Logo, der Erfassungsbefehl wanderte gleich in den Mülleimer. Den diversen Aufforderungen, doch bitte zur Musterung zu erscheinen, bin ich ebenfalls nicht nachgekommen. Mal war ich krank, habe eine Klausur in der Schule geschrieben oder hatte den Termin einfach verpennt... Ende 1997 kam dann der große Schock: Bei mir wurde die polizeiliche Vorführung angeordnet und ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Widerwillig bin ich dann im Januar ´98 doch zur Musterung marschiert. Die Rache der Bundeswehr ließ meine Hoffnungen auf Ausmusterung schnell verfliegen: Tauglichkeitsstufe 2. Ich war so froh, schon fünf Tage nach meiner Musterung Solidaritätsgrüße von Freunden vom Bodensee zu bekommen und die Zusagen von ganz vielen Menschen in Berlin, sie würden mich bei einer totalen Kriegsdienstverweigerung unterstützen. Die Frage, ob ich den Kriegsdienst ohne Waffe, also den Zivildienst, mache, oder aber eine totale Kriegsdienstverweigerung, habe ich für mich noch nicht endgültig beantwortet. Ich habe nicht nur keine Lust, einen Zwangsdienst für den Staat abzuleisten; hinzu kommt, daß Zivis für einen möglichen Krieg ganz bewußt eingeplant werden. Wer würde sonst "unsere Jungs" gesundpflegen, Minenfelder räumen oder die Verwaltung bei der Umrüstung auf eine Kriegsmaschinerie übernehmen? Andererseits könnte ich mir eine ruhige Zivistelle suchen, hätte ein ausreichendes Einkommen und könnte dort meine politische Arbeit machen. Unabhängig von dieser taktischen Überlegung werde ich selbstverständlich weiterhin für eine entmilitarisierte, demokratische Gesellschaft eintreten. Ich werde mich nicht von Pappnasen beirren lassen, die der Auffassung sind, "Linke" sollten in die Bundeswehr. Die Erfahrung zeigt, erinnert sei nur an den "Marsch durch die Institutionen" der 68er, daß sich Menschen den bestehenden Strukturen anpassen und nicht andersherum. Der Scheißhaufen, der - gerade aufgrund seiner autoritären und hierarchischen (d.h. von oben nach unten) Struktur - immerfort braune Schmeißfliegen anzieht und anziehen wird, läßt sich nicht demokratisieren. Natürlich ist nicht nur der Demokratieaspekt für mich entscheidend. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks mußten neue Aufgaben für die Bundeswehr gefunden werden, der Sinn für eine Armee wäre sonst überhaupt nicht mehr vermittelbar gewesen. So wird in den Verteidigungspolitischen Richtlinien schwarz auf weiß formuliert: Die "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des Zugangs zu strategischen Rohstoffen". Die Bundeswehr hat also die Aufgabe, die bestehenden, ausbeuterischen Wirtschaftsstrukturen zu erhalten, notfalls eben mit Gewalt. Dieser imperialistische Anspruch wird mit den Auslandseinsätzen, bisher sogenannte "humanitäre Missionen", immer mehr und mehr bittere Realität. Neulich habe ich eine Arbeitsgruppe zu Kriegsdienstverweigerung an der Charles-Darwin-Oberschule in Berlin-Mitte mit einem Freund zusammen geteamt. Mal abgesehen davon, daß über die Hälfte der dort anwesenden Schüler fanatische Bundeswehr-Untertanen waren und nicht etwa Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, sondern Disziplin, Gehorsam und Kameradschaft für sie entscheidend waren, wurden wir beide von dem dort anwesenden Lehrer als "asozial" und "unmoralisch" beschimpft. Sieht mensch von der Benutzung von Nazi-Vokabular einmal ab, so ist es doch erschreckend zu sehen, wie weit die Propaganda der Bundeswehr in Kreisen greift, die gerade so etwas wie kritisches Denken fördern und ermöglichen sollen. Wenn ich mir vorstelle, daß dieser Lehrer tagtäglich SchülerInnen unterrichtet, so läuft es mir kalt den Rücken herunter. Die Bundeswehr ist ein Überbleibsel aus Zeiten des Kalten
Krieges und gehört ersatzlos abgeschafft.
Die LiSA ruft dazu auf, das geplante öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr am 10.
Juni vorm Roten Rathaus durch kreative, antimilitaristische Aktionen zu bereichern. Der
Militarisierung des öffentlichen Raums und der schleichenden Einführung einer
militaristischen Kultur gilt es entschieden entgegenzutreten! Wir wollen tanzen, nicht
marschieren, lustig sein und nicht gehorchen. Mit Kultur, Lärm und Phantasie gegen das
öffentliche Gelöbnis!
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Seite erstellt am: 01.07.98 | last modified: |
Redaktion: JungdemokratINNen/Junge
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