Jagt die Armee

Foto: Mörder (2 KB)

aus allen Schulen!

      

Die Bundeswehr macht mobil und rückt an die vorderste Front, um für ihren Krieg zu werben. Dafür kommt sie sogar direkt zu den umgarnten zukünftigen Soldaten: in die Schulen. Jugendbildungsoffiziere (JBOs) der Bundeswehr tun so manches, um ihr in letzter Zeit etwas angeschlagenes Image aufzupolieren. Da wird die raffinierte deutsche Kriegstechnologie gelobpreist, und das tolle Gefühl, einen Panzer unterm Hintern zu haben.

Auch ins Tourismusgeschäft ist Rühes Braunbande eingestiegen: Sie veranstaltet für Klassen neuerdings mehrtägige Kasernenfahrten, mit Spannung und Action fast live im Krisengebiet: In einer interaktiven Kriegsspielsimulation namens PO&LIS sollen die SchülerInnen lernen, daß das Militär für Krisenherde in aller Welt eben doch unabdingbar ist, frei nach dem Motto "Kampf dem Krieg, und die Bundeswehr mischt mit!".

Doch was kann mensch machen, wenn einer von den Helmträgern in der eigenen Schule anrückt? Vielerlei.

Bei direkter Ankündigung können in der betreffenden Klasse erst Flugzettel verteilt werden, und Mutigere können sich beim Besuch selber ein "Soldaten sind Mörder [Tucholsky]"-T-Shirt anziehen. Durch gezielte und direkte, gut vorbereitete Fragen läßt sich so mancher BW-Werber auch schon aus dem Konzept bringen. Eine solche Veranstaltung zu sprengen macht auch Spaß, aber ist ein wenig riskanter: durch laute Musik oder lautes Singen (z.B. eines Songs von Tod & Mordschlag "Soldaten sind Mörder") oder durch dauernde Störung des euphemistischen Geschwafels mit überraschendem Klatschen an unerwarteten Stellen.

Vorbereitend können Bundeswehrdiskussionen mit Kriegsdienstverweigerern geführt werden, z.B. im Rahmen des PW-Unterrichts. Auch können antimilitaristische Wandzeitungen erstellt werden, Anti-Wehrpflicht-Plakate des Nachts vor/an/in der Schule geklebt oder Spuckis massig über Wände, Stühle, Tische verteilt werden.

Auch kann die Bundeswehr in der SchülerInnenzeitung thematisiert werden, in der Pause kann ein Infostand auf dem Hof aufgestellt werden. Mensch kann auch einen antimilitaristischen Film zeigen oder diese Zeitung hier verteilen.

Einige SchülerInnenvertretungen brachten in ihrer Schulkonferenz auch einen Antrag ein, daß Jugendoffiziere Hausverbot kriegen sollten, da sie durch ihr alleiniges Auftreten und durch den zutiefst undemokratischen Charakter der Bundeswehr die Jugendlichen in ihrer freiheitlich-demokratischen Einstellung beeinflussen, besonders wenn nicht ein Kriegsdienstverweigerer anwesend ist. Im gleichen Antrag kann auch mit gleicher Argumentation das Verbot von Kasernenfahrten gefordert werden.

Ihr seht, es gibt viele Möglichkeiten, und noch viel mehr fallen Euch bestimmt selber ein. Viel Spaß und frohes Schaffen. Laßt keine Mörder in eure Schulen!

Simon van der Velden
Der Autor ist aktiv in der SV des Marie-Curie-Gymn. und bei den JungdemokratInnen / Junge Linke

 

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Seite erstellt am: 26.04.98 | last modified:


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