4:Unsoziale Stadterneuerung

      

Wer von öffentlichen Fördermitteln profitiert

      

Im großen Streichkonzert nahezu unbemerkt, wurden im letzten Winter auch die Gelder, die das Land Berliner für die Sanierung der maroden Altbauviertel ausgibt, zusammengestrichen. Begründet wurde das kaum. Allein Staatssekretär Fuderholz, bei der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen für Stadterneuerung verantwortlich, erklärte auf einer öffentlichen Veranstaltung gegenüber nachfragenden Betroffenenvertretungen, daß die Förderung sehr teuer sei und man sich den Luxus vergangener Jahre heute nun einmal nicht mehr leisten könne. Worin der Luxus der Berliner Stadterneuerung besteht, war er dabei nicht bereit, zu sagen.

Schaut man sich aber die Förderprogramme genauer an, wird schnell klar, warum das Land Berlin kein Geld hat. Denn gefördert werden nicht nur Spitzen-Baukosten, sondern auch vor allem auch Vermögenszuwächse von Hauseigentümern und Profite von Banken.

Ein Beispiel dafür ist das Programm "Soziale Stadterneuerung", für das jährlich etwa 270 Millionen DM ausgegeben werden. Dieses Geld reicht für etwa 2000 Wohnungen, eine Wohnung kostet etwa 189.000 DM. Nur ein Drittel dieser Summe muß dabei der sanierungswillige Eigentümer selbst tragen. Denn ein weiteres Drittel der Baukosten kriegt er von Berlin als "Baukostenzuschuß" geschenkt. Vom letzten Drittel muß er einen Kredit bei der zur Landesbank Berlin gehörenden Investitionsbank Berlin (IBB) aufnehmen. Dafür muß er an die Bank Zinsen zahlen, zur Zeit etwa 6,5% jährlich, d.h. pro Wohnung etwa 4000 DM. Auch diesen Posten übernimmt das Land Berlin - in Form von sogenannten "Aufwendungszuschüssen". Diese umfassen im ersten Jahr die gesamte Höhe der Zinsen und werden dann jährlich um einen bestimmten Betrag vermindert, bis sie irgendwann einmal, der Senat sagt in 22 Jahren, Null erreichen. Das Land Berlin kosten die "Aufwendungszuschüsse" für die "Finanzierungskosten", d.h. die Zinsen der Banken, je Wohnung im Durchschnitt 61.600 DM, fast genau so viel, wie für den "Baukostenzuschuß" ausgegeben wird.


Öffentliche Zuschüsse - private Gewinne - steigende Mieten

Der gesamte Umfang der Fördergeschenke beläuft sich auf zwei Drittel der Sanierungskosten. Dazu kommen Steuervorteile, die gewährt kriegt, wer im Osten baut und auch Wohngeldzahlungen, die ja über die Mietzahlungen des Mieters in die Tasche des Hauseigentümers fließen.Die Mieten steigen im Förderzeitraum. Damit sich das investieren lohnt, darf der Hauseigentümer - obwohl er einen Großteil seiner Kosten sowieso schon vom Land Berlin, d.h. vom Steuerzahler, geschenkt kriegt, das Sinken der "Aufwendungszuschüsse" durch Erhöhungen der Miete ausgleichen. Diese können im Förderzeitraum leicht von 7-8 DM auf 13,50 DM für Mieter mit Wohnberechtigungsschein bzw. auf 25-30 DM für Mieter ohne einen solchen steigen.

Mit "sozialer" Stadterneuerung hat das nur wenig zu tun. Wo vor der mit Steuergeldern subventionierten Sanierung billiger Wohnraum war, verschwindet dieser im Laufe der Sanierung und wird im Förderzeitraum genau so teuer, wie ohne öffentliche Mittel sanierter auch. Nach Abschluß der Förderung kann der Hauseigentümer mit seinem Haus ohnehin wieder machen, was er will - es z.B. luxusmodernisieren, verkaufen oder in Eigentumswohnungen umwandeln. Durch die Subventionierung von Zinsen werden darüberhinaus öffentliche Subventionen zu privaten Bankgewinnen. Dabei zahlt das Land Berlin je Quadratmeter geförderten Wohnraums durchschnittlich 880 DM an seine eigene Bank. Diese wandelt die öffentlichen Gelder dann in Gewinne um, über deren Verwendung (Gewinnausschüttung, Dividende) der Aufsichtsrat der Bank zu entscheiden hat, nicht aber Abgeordnetenhaus, Bürgermeister oder gar Einwohner von Berlin. Daß eine solche Förderung teuer ist, muß nicht verwundern. Kommen zu den Zuschüssen des Landes Berlin noch Steuervorteile, die der Bund Investoren gewährt, kann sich der Gesamtumfang öffentlicher Subventionen leicht auf 90-100% summieren. Innerhalb von 20 Jahren hat dann der Staat einem Hausbesitzer die Sanierung seiner Immobilie geschenkt und diesem damit einen Vermögenszuwachs ermöglicht, ohne daß er dafür zahlen muß. Das kann sich das Land Berlin natürlich nur begrenzt leisten. "Soziale Stadterneuerung" umfaßt darum pro Jahr nur etwa 100 Häuser. In allen anderen sanierungsbedürftigen Altbauten sanieren Eigentümer entweder ohne öffentliche Zuschüsse - und darum entsprechend teuer, oder gar nicht. Der vom Senat immer wieder versprochene "Schutz der Bevölkerung vor Verdrängung" und "Erhalt der bestehenden Sozialstrukturen" ist so natürlich nicht durchzusetzen. Soll sich daran etwas ändern, ist eine grundlegend andere Politik notwendig: Statt für nur wenige Häuser Luxus-Standard zu erreichen und Eigentümer und Banken zu subventionieren, sollte Berlin sein Geld lieber dafür ausgeben, den maroden Altbaubestand wieder instandzusetzen, maßvoll zu modernisieren und die wenigen Möglichkeiten, die es zur Mietendämpfung hat, endlich wirksam werden zu lassen.

Matthias Bernt

 

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Seite erstellt am: 12.06.98 | last modified:


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